
Die Geschichte der Freien Turnerschaft Schney
I.
Der Beginn
II. Die Gründung
III. Die ersten Sportstätten
IV. 1912 - 1921: Erfolgreiche Jahre trotz des Ersten Weltkriegs
V. 1921 - 1933: Weiterer Aufschwung - Die erste
Turnhalle - Die Katastrophe der Machtergreifung durch die Nazis
VI. Der
Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
VII. 1950: Ein Schicksalsjahr für die Freie Turnerschaft
Schney: Der Erwerb des Schlosses
VIII. Die zweite Turnhalle
IX. Die Gründung des Vereins für Jugendpflege und
Volksbildung e.V.
X. Die Wiedergründung des Spielmannszugs
XI. 1955 - 1985: Stetiger Aufschwung - Das Turnerwohnhaus - Schney wird Turnschule
XII. Die Freisportanlage
Nachdem es bereits ab dem Jahr 1862 einen Turnverein in Schney gegeben hatte, mit dem sich jedoch wegen seiner konservativen Ausrichtung („In der Deutschen Turnerschaft ist kein Platz für Sozialdemokraten“) in zunehmendem Maße die aus Korbmachern, Porzellanarbeitern und Schachtelmachern bestehende Mehrheit der Mitglieder nicht mehr identifizieren konnte, entstand unter der Arbeiterschaft unserer Gemeinde der immer stärker werdende Drang, einen eigenen Turnverein ins Leben zu rufen.
Am
Samstag, den 3. August 1907, war es dann so weit: etwa 30 Schneyer kamen der
Einladung des "Einberufers" J. G. Krappmann nach und trafen sich in
der Gaststätte Wöhner, um nach einem Referat des Bezirksvorsitzenden der
Freien Turner Johann Steitz aus Bamberg die „Arbeiter-Turnerschaft Schney“
aus der Taufe zu heben.
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Männer - ihre Namen sind im Gründungsprotokoll festgehalten: Fritz Werner, Georg
Kolb, Konrad Witzgall, Georg Krappmann, Georg Kraus, Bernhard Scheller, Max
Loesch, Georg Schoder, M. Forkel, Andreas Welsch, Louis Winges, W. Nemmert,
Johann Schöpf, A. Eber, Carl Wöhner, L. Lochmann, K. Menzel, Philipp
Krappmann, Friedrich Gick, Georg Barth, Moritz Rost, -
erklärten am Ende dieses denkwürdigen Tages ihren Beitritt zum
Verein, der sich seit dem 2. November 1907 nur noch "Freie Turnerschaft
Schney" nennt.
Der
erste Vorsitzende war Fritz Werner, dem Georg Kolb als Stellvertreter, der
heute noch vielen als der eigentliche "Turnvater" bekannte Konrad
Witzgall als Kassier, J.G. Krappmann als Sekretär, Georg Kraus und Bernhard
Scheller als Turnwarte sowie Karl Menzel, Louis Winges, Georg Barth, als
"Ausschuss" und Carl Wöhner nebst Philipp Krappmann als Revisoren
beistanden.
Bereits
am 11. August befasste sich eine Ausschuss-Sitzung mit der Festsetzung der
Vereins-Statuten, die dann auch von der ersten Monatsversammlung noch im
August angenommen wurden.
Bei
den Freien Turnern herrschte also, was die Verwaltung des Vereins betrifft,
von Anfang an größte Ordnung, und so ist es bis heute auch geblieben.
Wie
aus den Protokollen der Gründerzeit hervorgeht, waren die Freien Turner mit
größtem Eifer und riesigem Idealismus am Werk, so dass alsbald so wichtige
Geräte wie ein Reck oder Hanteln angeschafft werden konnten.
Schlechter
sah es bei der Frage nach den Turnstätten aus: Nachdem der erste Vereinswirt
- Gründungsmitglied Carl Wöhner - nach einem guten Jahr seine Lokalitäten
nicht mehr zur Verfügung stellte, musste man zum Gasthaus "Stammberger"
wechseln, dessen Wirt ebenfalls einen Turnplatz, der allerdings erst noch
hergerichtet werden musste, anbieten konnte.
Die
Gemeinschaft der Freien Turner gedieh vortrefflich, und bei der
Generalversammlung 1910 konnten bereits 74 Mitglieder verzeichnet werden. Auf
dieser Versammlung gab der weitblickende und ehrgeizige Konrad Witzgall, der
mittlerweile als Turnwart fungierte, erstmals die Anregung zur Gründung eines
"Turnhallenbau-Fonds".
Mit
Energie ging man ans Werk, besorgte sich Marken für den Fonds, Nickel für
Nickel wurde gespart, es gab Sammlungen, und auch die "Kneip-Kasse"
musste herhalten, damit man sich einen Turnplatz kaufen konnte, und bereits
1912, 5 Jahre nach der Gründung, war es so weit: man hatte endlich am
Weinberg in der Neuen Welt sein eigenes Turngelände, mit - freilich einfachen
- Sportanlagen und einem Geräteschuppen.
Konrad
Witzgall, im Jahre 1913 zum Bezirksvorsitzenden gewählt, wirkte unermüdlich
und äußerst erfolgreich weiter, und die Freie Turnerschaft Schney kam ein
gutes Stück voran: es wurden zahlreiche verschiedene Veranstaltungen, ein
Bezirksturntag, Kinderfeste mit 400 und mehr Kindern usw. abgehalten. Mitten
in diese Aufwärtsbewegung platzte der 1. Weltkrieg, dem 27 von 92 Mitgliedern
zum Opfer fielen.
Nach
dem Krieg war das Gelände am Weinberg nur noch für Faustball tauglich, doch
alsbald waren wieder alte und neue Mitglieder bereit, bessere Möglichkeiten für
das Turnen zu schaffen.
In
dieser Zeit, nämlich ab Februar 1919, gab es nach dem Übertritt des
Deutschen Turnvereins zur Freien Turnerschaft (18 von 21 Mitgliedern hatten
sich in geheimer Abstimmung für den Übertritt entschieden) vorübergehend
nur einen Turnverein in Schney.
Die
Aufwärtsbewegung hielt an, seit 1921 gab es eine Mädchen- und Frauengruppe,
und es kam auch eine Fußballriege hinzu, die zeitweise bis zu vier
Mannschaften stellen konnte.
Nie
wurde in dieser Zeit das große Ziel eines jeden echten Turnvereins aus den
Augen verloren, nämlich der Bau einer eigenen Turnhalle.
Mit
großem Einfallsreichtum, Haussammlungen, Spendenaufrufen und dergleichen
wurden die finanziellen Mittel erhöht, und 1921 sah man sich (es fehlten noch
30.000 Mark) fast am Ziel, doch das Inflationsjahr 1923 brachte einen herben Rückschlag:
das Vereinsvermögen erreichte mit über 21 Billionen! Mark zwar seinen
historischen Höchststand, - die monatlichen Mitgliedsbeiträge betrugen
zeitweise über 20.000 DM, - doch das Geld war nichts mehr wert.
Ab
1924, bei Mitgliedsbeiträgen von bis zu 20 Pfennigen, setzte eine sehr steile
Aufwärtsbewegung bei den Freien Turnern ein: es kam zur Gründung des 1.
Spielmannszugs im Jahre 1926/27, und die Mitgliederzahl stieg nach und nach
auf etwa 160 an.
Ende
1928 wurde eine Kommission gebildet, die damit beauftragt wurde, den Bau einer
Turnhalle vorzubereiten, und die auch sehr rührig war, denn schon am 29.
April 1929 wurde mit 80 %-iger Mehrheit der Beschluss gefasst, das große Werk
in Angriff zu nehmen und die Turnhalle für 54.000 Reichsmark zu bauen. In
einem bis dahin beispiellosen Arbeitseinsatz wurde die Turnhalle in knapp vier
Monaten erstellt, und bereits zur Kirchweih im September konnte der Wirtschaftsbetrieb
aufgenommen werden.
Die
Turnhalle erfreute sich bei Turnern, aber auch bei den Freunden der
Geselligkeit - die Freie Turnerschaft verfügte ja auch über eine eigene
Theatergruppe - großen Zuspruchs, auch gingen viele Spenden, z. Tl. sogar aus
Amerika ein, und der Verein konnte sich einige Jahre in Ruhe weiterentwickeln
und sich einen guten und umfassenden Bestand an Turngeräten anschaffen.
Mitten
in diese Zeit des Aufschwungs platzte die Machtergreifung durch die Nazis, die
natürlich nichts Eiligeres zu tun hatten, als die verhasste, der
Sozialdemokratie nach wie vor eng verbundene Freie Turnerschaft aufzulösen,
das Vermögen einzuziehen und ihren Stolz, die Turnhalle, zur vormilitärischen
Ausbildung der S.A zu missbrauchen und zu verwüsten.
Die
weitere Geschichte der Turnhalle sei hier nur kurz erwähnt:
zunächst
wurde sie von der Stadt Lichtenfels ersteigert, dann, 1937, erfolglos der
Gemeinde Schney angeboten; schließlich wurde sie von der Fa. Link & Co,
einer Schuhfabrik, gekauft; mittlerweile dient sie nach mehrmaligem Umbau als
moderne Wohnanlage.
Die
Mitgliederversammlung vom 12. März 1933 war für 12 1/2 Jahre die letzte
offizielle Zusammenkunft der Schneyer Freien Turner. Ein Teil der Aktiven
konnte sich während der Nazizeit vorübergehend beim Reichsbahn-Turn- und
Sportverein in Lichtenfels, dem heutigen ESV, dem Dank für seine
Gastfreundschaft gebührt, betätigen.
Unmittelbar
nach dem verlorenen Krieg regten sich in Schney bereits aufbauwillige Kräfte,
die den Sportbetrieb wieder in normale Bahnen lenken wollten, und unser Verein
erhielt als einer der ersten im Landkreis von der amerikanischen Militärregierung
die Lizenz zur Wiedergründung.
Am
12. November 1945, also eine Woche vor der offiziellen Gründung, sind in der
ersten Mitglieder-Beitragsliste des Kassiers Ludwig Gick bereits 68 Personen
aufgeführt.
Am
19. November 1945 fand in der Gastwirtschaft Stammberger die denkwürdige
Versammlung zur Wiedergründung der Freien Turnerschaft Schney statt.
Konrad
Witzgall hielt die Eröffnungsansprache, in der er seine Freude über den
zahlreichen Besuch, vor allem der Jugend, ausdrückte, aber auch seine Trauer
- über die 26 Turnbrüder, die, wie er einfach, aber treffend ausdrückte
"für so einen Wahnsinn" ihr Leben lassen mussten.
1.
Vorsitzender wurde Karl Witzgall, und auch die beiden hochverdienten Senioren
Konrad Witzgall und Hans Stoll, ebenfalls ein erfolgreicher Turner, langjähriger
Turnwart und Oberturnwart, stellten sich spontan wieder zur Verfügung, so
dass bereits eine Woche später die erste Turnstunde nach dem Krieg im
Stammbergersaal abgehalten werden konnte.
Natürlich
stellte sich alsbald die Frage nach geeigneten Übungsstätten, denn der
Stammbergersaal war doch nur bedingt geeignet, und die Zahl der Aktiven wuchs
von Woche zu Woche.
Hauptsächlich
aus sozialen Gründen - die Firma Link bot ja immerhin über 300, damals
sichere, Arbeitsplätze - verzichteten die Verantwortlichen 1948 auf die
Herausgabe der Turnhalle, zumal sich die Besitzer zur Zahlung einer
angemessenen Entschädigung bereit erklärten.
Doch
das Problem war damit nicht gelöst, und man musste sich mit vielerlei
Provisorien - z. B. Mitbenutzung des Geländes des Sonneberger Paddelvereins
an der Mainbrücke - behelfen.
Dieser
unbefriedigende Zustand dauerte an bis zum Frühjahr 1950, und man konnte von
einer eigenen Turnhalle nur träumen, als den Verantwortlichen unseres Vereins
das heruntergekommene Schneyer Schloss mit dem dazugehörigen Gelände zum
Kauf angeboten wurde.
Und
die Freien Turner gingen das aus damaliger und wohl auch heutiger Sicht
ungeheure Wagnis ein: Karl Witzgall, Georg Friedrich und Georg Schöpf fuhren
nach München zu Mitglied Herbert Hauffe, damals Abgeordneter der SPD im
Bayerischen Landtag, um ihn um Rat und Unterstützung zu bitten. Gemeinsam mit seinem
Lichtenfelser Kollegen Dr. Wittmann und Landrat Dr. Jüngling setzte sich
Herbert Hauffe bei staatlichen Stellen und Behörden tatkräftig für das
Schneyer Anliegen ein und schuf die Voraussetzungen für den Erwerb des
Schlosses durch die Freie Turnerschaft.
Hierzu
ein Protokollauszug vom 26. Juni 1950: „Zu Punkt 2 überleitend teilte
Vorstand Friedrich mit, dass der Verein nach der heutigen Verbriefung rechtmäßiger
Besitzer des Schlosses ist.“
Die
Freude und der Stolz über den Kauf waren
jedoch nicht völlig ungetrübt, denn das erworbene Anwesen war total
heruntergekommen: das Dach war an vielen Stellen undicht; die Mauern mussten
neu verputzt werden; Park und Garten (über 32 000 qm) waren verwildert.
Dennoch
wurde unverzüglich mit der Hauptaufgabe, nämlich der Errichtung der
Turnhalle, begonnen, und trotz der einmaligen Einsatzbereitschaft der
Mitglieder bestand mehr als einmal die Gefahr, dass das Vorhaben scheitern könnte.
Unvergessen ist auch die wertvolle Mithilfe vieler Einwohner, die damals nicht
Mitglieder des Vereins waren oder heute nicht mehr sind. Stellvertretend für
alle diese tüchtigen Helfer soll an dieser Stelle Andreas Krapp erwähnt
werden, der als geschickter Handwerker viel zum Bau der Turnhalle beitragen
konnte.
18.000
! freiwillige Arbeitsstunden waren nötig, um dieses große Werk zu vollenden.
Etwas
finanzielle Luft schaffte in dieser Zeit auch der Getränke-Lieferungsvertrag mit der
Brauerei Leiner, Förtschendorf, der jahrzehntelang Bestand hatte.
Im
Juni 1951 war es endlich so weit: nach dem Einbau des Parketts konnte die
Turnhalle ihrer Bestimmung übergeben werden, die seitdem das Zentrum aller
Aktivitäten unseres Vereins ist, aber auch von Anfang an der Gemeinde Schney
zur Erteilung des Schulturnunterrichts zur Verfügung gestellt wurde. Darüber
hinaus wurde die Bereitschaft erklärt, sie "für alle kulturellen
Veranstaltungen sowohl der politischen als auch der Kirchengemeinde"
bereitzustellen.
Schwierigkeiten
bereitete natürlich der Erhalt und die Renovierung des Schlosses, doch auch
hier wusste Herbert Hauffe Rat: auf seine Initiative hin wurde der VJV, der
Verein für Jugendpflege und Volksbildung e. V. gegründet, der sich der
Aufnahme junger Leute ohne Arbeit widmen und ihnen praktische Kenntnisse auf
dem Bausektor vermitteln sollte. Dieser Verein, die heutige
„Franken-Akademie“, der seitdem als Partner und seit 1968 für 50 Jahre
als Pächter mit Erbbauvertrag stets bestens mit der FTS zusammenarbeitet,
gedieh gut und weitete seine Tätigkeit bald auf das Feld der staatsbürgerlichen
Bildung aus. Ihm ist es wohl in erster Linie zu verdanken, dass das Schloss so
erhalten und zu einem im In- und Ausland bekannten Schmuckstück von Schney
wurde.
Für
seine Verdienste um die Freie Turnerschaft Schney wurde Herbert Hauffe am 13.
3. 1982 zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt.
Die
turnerische Arbeit, die trotz aller Belastung durch die Baumaßnahmen nicht
vernachlässigt wurde, fand allgemeine Anerkennung, und bereits seit 1951
wurden von der FTS wieder größere Turnveranstaltungen organisiert.
Im
Mai 1951 entstand unter der Leitung von Fritz Witzgall eine Faustballgruppe,
und 1953 wurde auf Betreiben vor allem des unvergessenen Ehrenstabführers
Andi Tischler der Spielmannszug wiedergegründet.
Andi
Tischler, Heinz Schöpf und Hans Kolb waren die ersten Stabführer, und für
die musikalische Ausbildung standen mit Lorenz und Karl Eber erfahrene Musiker
zur Verfügung. 1982 erkannte Andi Tischler die Zeichen der Zeit und bildete
in Zusammenarbeit mit dem heutigen musikalischen Leiter Bernd Gleitsmann eine
Instrumentalgruppe heran, so dass der Spielmannszug ein hohes musikalisches
Niveau erreicht hat. Kontinuität auch beim Spielmannszug: seit mehreren
Jahrzehnten sind Erich Herbst und Kurt Feil an verantwortlicher Stelle tätig,
und Heinrich Rehm leitet seit immerhin 15 Jahren als Stabführer diese rührige
Abteilung, die zu einem der Aushängeschilder der Freien Turnerschaft geworden
ist.
Doch
zurück zur Geschichte:
Trotz
anfänglicher großer finanzieller Sorgen - oft wurden Sammlungen durchgeführt,
Anteilscheine zu 10, 20 und 50 Mark wurden verkauft, um die Rechnungen der
ebenfalls nicht auf Rosen gebetteten Handwerker bezahlen zu können, -
entstand bereits im Jahre 1955 das Turnerhaus auf dem vereinseigenen Grundstück
an der Trappersbrücke.
Von
1958 bis 1975 war mit Herbert Schuster neben Herbert Hauffe ein zweiter
gleichberechtigter Vorsitzender tätig, der sich als äußerst engagierter und
erfolgreicher Mann große Verdienste um den Erhalt des Schlosses, der
Turnhalle und das Sportplatzgelände erwarb und am 27. 6. 1975 zum ersten
Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt wurde.
Das
Sportplatzgelände, auch Zwinger genannt, war damals allerdings nur in der
Phantasie weitblickender Turner vorhanden, denn es bestand bis zur Verlegung
des Krebsbaches 1959 aus einem schilfbewachsenen Sumpfgebiet, und es sollte
noch Jahrzehnte dauern, bis auch im Freien gute Turnmöglichkeiten geschaffen
wurden.
Vorläufig
spielte sich das turnerische Geschehen hauptsächlich in der Turnhalle ab, die
durch verschiedene Baumaßnahmen laufend verbessert wurde.
Die
turnerische Arbeit fand weit über die Gemeinde und den Kreis hinaus große
Anerkennung, was sich nicht zuletzt durch die Tatsache zeigt, dass unser
Verein von 1964 bis Anfang der 70-er Jahre oberfränkisches Lehrgangszentrum
wurde, wodurch natürlich teure Turneräte nach Schney kamen, die nach Auflösung
der Turnschule von der Freien Turnerschaft erworben und den Aktiven zur Verfügung
gestellt wurden.
Die
Aktivitäten in der Turnhalle wurden von zahlreichen Mitgliedern gestaltet,
und es ist unmöglich, alle verdienstvollen Übungsleiter namentlich zu erwähnen.
Stellvertretend für alle sei die am
9. Mai 1995 durch eine heimtückische Krankheit aus unserer Mitte gerissene
und bei Jung und Alt äußerst beliebte Frauen- Senioren- und Kinderturnwartin
Friedl Rehm genannt, die von 1948 bis kurz vor ihrem Tod allwöchentlich
mehrmals dem Verein in selbstloser und vorbildlicher Weise zur Verfügung
stand.
Das
vorerst letzte große Kapitel in der Geschichte der Freien Turnerschaft Schney
war die Errichtung der Freisportanlage im sogenannten Zwinger, ein Vorhaben,
das wohl schon kurz nach Erwerb des Schlosses in der Phantasie einiger Turner
angedacht worden war, das aber jahrzehntelang an der Realität, sprich an den
immensen Kosten scheiterte.
Aus
den Augen verloren haben die jeweiligen Vorstandschaften das Projekt jedoch zu
keinem Zeitpunkt, und als sich Mitte der 80-er Jahre eine Möglichkeit der
Finanzierung auftat, zeigte sich die bei der Freien Turnerschaft stets
vorhandene Tatkraft auch in diesem Fall: in ungezählten Besprechungen,
Sitzungen, Diskussionen, Informationsfahrten, Telefongesprächen und
Beratungen, für die nicht selten ein halber oder ein ganzer Urlaubstag
geopfert wurde, machte sich die Vorstandschaft, allen voran Vorsitzender Richard Hohmann,
sachkundig, und als auch der Kassier Frank Bergmann grünes Licht gab, begann
man im Jahr 1987 unter der tatkräftigen Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden und Leichtathletikwarts
Karl-Heinz Lausberg mit den Arbeiten. Bis dieses uns alle mit berechtigtem
Stolz erfüllende Werk beendet war, vergingen 2 Jahre, in denen wie in der
Vergangenheit wieder zahlreiche Mitglieder als freiwillige Helfer zur Verfügung
standen, um die Kosten im Rahmen zu halten.
Mit
der ständig verbesserten Turnhalle, der Freisportanlage und den dazugehörigen
Tennisplätzen verfügt nun die Freie Turnerschaft Schney über alle
Voraussetzungen, von denen unsere Vorväter bei der Vereinsgründung nur träumen
konnten, und es ist zu hoffen, dass die Schneyer, und hier ist vor allem auch
die Jugend angesprochen, das von einer hervorragenden Gemeinschaft geschaffene
große Werk durch fleißiges Nutzen der Möglichkeiten in Einigkeit erhalten
und gedeihen lässt.
